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Barrierefreie PDF: BITV 2.0, BFSG und was wirklich gilt

Welches Gesetz für Ihre Dokumente gilt, ab wann, wer es überwacht und was EN 301 549 für ein PDF konkret verlangt.

Welches Gesetz für Sie gilt

Drei Regelwerke, und welches greift, hängt davon ab, wer Sie sind.

Öffentliche Stellen des Bundes: BITV 2.0. Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung setzt die EU-Richtlinie 2016/2102 um und stützt sich auf das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG). Sie gilt für Websites, mobile Anwendungen und — das wird regelmäßig übersehen — für die dort bereitgestellten Dokumente. Ein PDF auf einer Behördenseite ist Teil dieses Angebots.

Öffentliche Stellen der Länder: das jeweilige Landesrecht. Jedes Bundesland hat ein eigenes Gleichstellungsgesetz und eine eigene Verordnung. Inhaltlich laufen sie alle auf EN 301 549 hinaus; die Fristen und die zuständige Überwachungsstelle unterscheiden sich.

Private Unternehmen: das BFSG, seit dem 28. Juni 2025. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz setzt den European Accessibility Act (Richtlinie (EU) 2019/882) um. Es ist nicht mehr angekündigt, es gilt. Erfasst sind bestimmte Produkte und Dienstleistungen — unter anderem E-Commerce, Bankdienstleistungen für Verbraucher, E-Books und Personenverkehrsdienste — und damit auch die Dokumente, die zu diesen Dienstleistungen gehören: Rechnungen, Verträge, Tarifinformationen, Sicherheitshinweise.

Der praktische Unterschied: Im öffentlichen Bereich fragt jemand nach einer Erklärung zur Barrierefreiheit. Im BFSG-Bereich fragt eine Marktüberwachungsbehörde nach einer Konformitätsbewertung.

Was die Norm für ein PDF verlangt

Alle drei Regelwerke verweisen auf denselben Stand der Technik: EN 301 549. Deren Kapitel 10 gilt für Dokumente, die keine Webseiten sind, und übernimmt für den Inhalt die Erfolgskriterien von WCAG 2.1 auf Stufe AA. Für das Dateiformat selbst ist PDF/UA-1 (ISO 14289-1) die Norm, die sagt, welche Objekte im PDF vorhanden sein müssen.

Beides zusammen, konkret auf ein Dokument bezogen:

  • Jeder Inhalt ist erreichbar. Jede zeichnende Operation liegt entweder in einem Tag oder ist als Artefakt markiert. Was in keinem von beiden liegt, existiert für einen Screenreader nicht — unabhängig davon, wie prominent es auf der Seite steht.
  • Die Lesereihenfolge ist die Bedeutungsreihenfolge. Nicht das Layout entscheidet, sondern der Strukturbaum.
  • Die Struktur ist ehrlich ausgezeichnet. Überschriften sind Überschriften und auf der richtigen Ebene, Listen sind Listen, Tabellen haben Kopfzellen, die mit ihren Datenzellen verknüpft sind.
  • Nicht-textliche Inhalte haben eine Textalternative, die trägt, wofür das Bild da ist. Dekoratives ist ein Artefakt, kein Bild mit leerem Alt-Text.
  • Die Sprache ist deklariert, auf Dokumentebene und bei jedem Wechsel.
  • Das Dokument benennt sich selbst: ein Titel in den Metadaten, und die Anweisung, ihn statt des Dateinamens anzuzeigen.

Fünf davon kann eine Maschine prüfen. Beim dritten und vierten kann sie nur das Vorhandensein prüfen, nie die Richtigkeit. Dieser Unterschied ist der ganze Gegenstand.

Die Erklärung zur Barrierefreiheit

Öffentliche Stellen müssen eine veröffentlichen, und sie muss benennen, was nicht barrierefrei ist. Das ist keine Formalie, sondern die einzige Stelle, an der ein Dokumentenbestand ehrlich beschrieben wird: welche Dokumente noch nicht umgesetzt sind, warum, und bis wann.

Eine Erklärung, die pauschal volle Konformität behauptet, ist bei einem Bestand von einigen hundert PDFs fast immer falsch — und sie ist der erste Punkt, an dem eine Beschwerde ansetzt.

Wo das in der Praxis scheitert

Aus dem, was wir in echten Beständen sehen:

Nach dem Export getaggt. Das Dokument wird gesetzt, als PDF exportiert und anschließend in Acrobat getaggt. Beim nächsten Export ist alles wieder weg. Wenn es die Quelle noch gibt, gehört die Korrektur dorthin.

Automatisch getaggt und nicht nachgesehen. Acrobats Tags automatisch hinzufügen erzeugt in Sekunden einen vollständigen Strukturbaum, leitet Überschriften aus Schriftgrößen ab und Tabellen aus Linien — und setzt anschließend selbst das Kennzeichen /Suspects true, weil es der eigenen Ableitung nicht traut.

Formulare. Das teuerste Dokument überhaupt, weil die Arbeit pro Feld anfällt: Jedes Steuerelement braucht einen Tooltip, ein Form-Element im Strukturbaum und eine Position in der Lesereihenfolge.

Gescannte Dokumente. Eine gescannte Seite ist ein Bild von Text. Sie zu taggen erzeugt ein getaggtes Bild. Ohne OCR beginnt die Arbeit gar nicht.

Was Taggart dabei tut — und was nicht

Taggart prüft gegen PDF/UA-1, den Matterhorn-Protokoll-Katalog, WCAG 2.1 AA und die israelische Norm IS 5568, repariert den mechanischen Teil ohne ein einziges Pixel der Seite zu verändern, und legt alles, was ein Urteil erfordert, mit den Belegen daneben vor.

Was es nicht tut: feststellen, dass Ihr Dokument rechtskonform ist. Das kann kein Werkzeug, und die Aufsicht sieht das genauso — als das US-Justizministerium seine Fristen um ein Jahr verschob, war die Begründung ausdrücklich, dass es die personellen und technischen Möglichkeiten der Verpflichteten überschätzt hatte.

Jeder Bericht von Taggart trägt den Satz: dies ist keine rechtliche Feststellung der Konformität. Der Bericht dokumentiert, was geprüft wurde, was repariert wurde, welche Entscheidungen ein Mensch getroffen hat und warum — und genau das ist es, was eine Aufsichtsbehörde sehen will.

Fragen, die tatsächlich gestellt werden

Gilt das BFSG auch für PDF-Dateien?

Für PDFs, die Teil eines erfassten Produkts oder einer erfassten Dienstleistung sind — etwa Rechnungen, Verträge oder Produktinformationen im E-Commerce, im Bankwesen oder im Personenverkehr. Ein beliebiges PDF auf einer beliebigen Website fällt nicht automatisch darunter; ein PDF, das zur Erbringung einer erfassten Dienstleistung gehört, schon.

Welche Norm ist gemeint, wenn im Gesetz „Stand der Technik“ steht?

EN 301 549. Ihr Kapitel 10 behandelt Dokumente, die keine Webseiten sind, und verweist für PDF auf PDF/UA-1 (ISO 14289-1). Deshalb prüft man gegen WCAG 2.1 AA als Pflicht und gegen PDF/UA-1 als das, was eine Maschine tatsächlich nachweisen kann.

Wer überwacht das, und was passiert bei einem Verstoß?

Für Bundesbehörden die Überwachungsstelle des Bundes für Informationstechnik (BFIT-Bund); die Länder haben eigene Überwachungsstellen. Beschwerden laufen über die Schlichtungsstelle BGG. Für das BFSG sind die Marktüberwachungsbehörden der Länder zuständig. In der Praxis beginnt fast alles mit einer Beschwerde und einer Frist, nicht mit einem Bußgeld.

Reicht es, wenn der Prüfbericht grün ist?

Nein, und das ist der wichtigste Punkt auf dieser Seite. Ein Prüfwerkzeug kann feststellen, dass ein Alternativtext vorhanden ist — nicht, dass er etwas aussagt. Es kann feststellen, dass eine Lesereihenfolge existiert — nicht, dass sie stimmt. Beides sind genau die Fälle, in denen ein Dokument durch jede automatische Prüfung kommt und für eine Screenreader-Nutzerin unbrauchbar bleibt.

Nehmen Sie Ihre schlimmste Datei. Das Prüfen ist kostenlos und unbegrenzt, und die Reparatur laufen zu lassen ebenso — jede Reparatur, an Ihrer eigenen Datei, mit pixelgleicher Seite danach. Ein Tarif ist für das Herunterladen des reparierten Dokuments und seines Berichts da.

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Die vollständige Referenz — alle 136 Fehlerbedingungen, zugeordnet zu PDF/UA-1 und WCAG — ist auf Englisch verfasst: alle Bedingungen ansehen.